Aktuelle Berichte

18. Dez, 2017

ISTANBUL reiht sich ein in die Reihe von Stücken, die das Schaupielhaus Köln aufgrund der (neuen) Lage des Schauspielhauses in Köln-Mülheim eingeführt hat. Man wollte im Viertel ankommen, aktuelle Probleme zeigen, die Hemmschwelle zum Theater abbauen. Dies ist ein eindrucksvoller Versuch. Inwieweit er in Bezug auf "ankommen" gelungen ist - das zeigt zum Teil das Stück.

In der Nähe vom Depot, nur wenige Gehminuten entfernt, liegt die Keupstraße. Dort gab es das traurig-berühmt gewordenen Nagelbombenattentat. Das erst als Sache zwischen den Bewohnern  gesehen - und erst sehr spät als Anschlag der NSU erkannt wurde.

Der Film "Aus dem Nichts" mit Diane Kruger hat im Grunde genommen diesen Anschlag als Vorbild genommen (dazu gibt es unter Kino dann später auch noch einen Bericht)

Im Stück ISTANBUL geht es aber nicht um den Anschlag direkt. Sondern um den Zusammenhalt (oder besser: Nicht-Zusammenhalt) der türkischen Community in der Erdogan Ära und um die Akzeptanz von Ausländern in Deutschland. Eigentlich ist es auch kein "richtiges" Theaterstück. Sondern eine Art Diskussion. Mit Lichtbildern zwischendurch, Berichten aus türkischen Gefängnissen, Pro-und-Conntra Erdogan-Diskussionen. Pro-und-Contra-Deutschland-Diskussionen. Es spielen Laiendarsteller mit, eine deutsche Schauspielerin vom Schauspielhaus, ein ausländischer Schauspieler vom Schausspielhaus und Dogan Akhanli, ein Schriftsteller,  der vor vielen Jahren in Deutschland Asyl bekommen hat, nachdem er in der Türkei im Gefängnis war. Inzwischen hat Akhanli schon lange die Deutsche Staatsangehörigkeit. Wurde aber im September (nach dem ich ihm im Mai im Theater in diesem Stück gesehen hatte) in Spanien verhaftet. Aufgrund eines Haftbefehls via Interpol der Türkei. 

So überholten sich irgendwie Stück und Realität.

Inzwischen ist Akhanli wieder in Deutschland. Ich wäre gespannt, wie sich dies auf die Texte und Inhalte des Stückes ausgewirkt hat.

Ende Mai saßen am Ende des Stückes 3 Leute auf der einen Seite und 3 Leute auf der anderen Seite. Getrennt nicht durch Nationalität oder Geburtsort. Sondern durch Bildung. So habe ich es empfunden. Und es als Sinnbild für die drohende Spaltung unserer Gesellschaft gesehen. Nicht nur die türkische Community in Deutschlaand spaltet sich - auch die deutsche Gesellschaft.

 

30. Dez, 2016

Actionfilme sind eigentlich so gar nicht mein Genre. Als ich also gefragt wurde, ob ich mitgehen würde in "Arrival" habe ich erst einmal nachgelesen, um was es geht. Und bin dann mitgegangen. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Es ist ein Science-Fiction und in gewisser Weise ein Action Film. Aber ohne viel Blut und mit sehr gezielt eingesetzter Action. Und mit viel Niveau und einer sehr intelligenten Story. Und das aus den USA. 

Das lässt mich jetzt ein wenig hoffen, dass die USA doch noch nicht ganz verloren sind... aber das war jetzt meine persönliche Meinung.

Der Film handelt von der Landung Außerirdischer auf der Welt. Da keiner weiß, ob die Außerirdischen in friedlicher oder feindlicher Absicht kommen, ist die Unruhe groß. Also wird eine bekannte Linguistin aus den USA beauftragt, die Kommunkation mit den Außerirdischen aufzunehmen und deren "Sprache" und "Schrift" zu analysieren. Weitere hochrangige Wissenschaftler aus aller Welt versuchen parallel, die Botschaften der Außerirdischen zu entschlüsseln. Begleitet wird dies von immer größerer Panik in der Politik und in der Weltbevölkerung. Wird die Linguistin es schaffen, eine Kommunkation herzustellen? Und was haben die Albträume von ihrer an einer seltenen Krankheit gestorbenen kleinen Tochter für einen Einfluss auf ihre Arbeit?

Die Auflösung ist phänomenal - und der Film spannend. Richtig gute Unterhaltung auf hohem Niveau.

19. Aug, 2016

Bei diesem "Sommerwetter" war ich dieses Jahr häufiger in den Sommermonaten im Kino als in anderen Jahre - leider aber kein einziges Mal im Open-Air-Kino.

Deutsche Regisseurinnen waren dieses Jahr erfolgreich, zwei Filme habe ich mir angesehen:

Toni Erdmann (Regie: Maren Ade)

Wer hat sich nur diesen Titel ausgedacht? Wenn ich nicht so viel über diesen Film überall gelesen hätte - alleine aufgrund des Titels  wäre ich sicherlich nicht in diesem Film gegangen. Was schade gewesen wäre. Der Film besticht durch seine Ruhe und durch seine langen Einstellungen - und so wird oft mehr erzählt als durch manche Dialoge. 

Die Handlung spielt vor allem in Bukarest - und ich weiß jetzt genau, warum ich da nie hin wollte und jetzt sicher nie mehr hin will. Nur Plastik, nur schöner Schein, alles halbseiden - und die Unternehmen und Unternehmensberater wollen Geld machen - während die Lebensumstände der Bevölkerung gefühlte 100 Jahre hinter der Entwicklung vom restlichen Europa hinterher hinken.

Ach ja, erzählt wird eine Vater-Tochter-Geschichte. Für mich zwar eindrucksvoll in Szene gesetzt - aber ich hatte mir wohl irgendwie mehr versprochen. Der Humor kratzt immer so knapp am Fremdschämen vorbei. Aber eben nur fast - und das ist dann doch wieder gut gemacht.  Und Sandra Hüller spielt phantastisch gut.

 

Vor der Morgenröte (Regie: Maria Schrader)

Dieser Film zeigt die letzten Lebensjahre von Stefan Zweig, die er im Exil verbringt. Dieser Film ist sehr ruhig, birgt jedoch viel Dramatik rund um das Thema Heimat, Heimatverlust, Leben im Exil, Nationalsozialismus und Judenverfolgung.

Die Darstellung ist in einzelne Szenen unterteilt und sehr kammerspielartig. Ich könnte mir das Ganze auch gut als Theaterstück vorstellen. Die Schauspieler spielen sehr gut - und immerhin hat der Film mich dazu gebracht, in die Werke von Zweig reinzulesen. 

Ein guter Film - nicht nur für Literaturliebhaber.

 

 

 

15. Jun, 2016

Das Theater im Bauturm ist ein recht kleines, freies Theater in Köln mit eigentlich immer guten Inszenierungen - jedenfalls gefällt es mir immer dort.

Gestern gab es "Der Prozess" von Kafka. Das Stück/derText wurde auf Grundlage des Romans von Franz Kafka neu für diese Inszenierung geschrieben. Aufgeführt wurde von nur 6 Schauspielern und einem Musiker mit eigentlich recht wenigen Requisiten, die immer wieder anders eingesetzt wurden. Das gab dem Stück Tempo und Vielfalt - mit wenigen Mitteln. Auch die witzig-grotestken Situationen wurden so gut herausgeabeitet. 

Wobei der Prozess natürlich ein beklemmdes Stück Literatur/Theater bleibt, immer noch aktuell.

Sehr viel zum Verständnis des Stücks und des Werkes von Kafka insgesamt trug die Einführung zum Stück eine Stunde vor Beginn bei. Es waren anscheinend viele Oberstufen-Schüler dabei - die das sicher auch zu würdigen wussten.

Danke an Martina Jalloh für die interessante Einführung!

 

10. Mrz, 2016

Letztens war ich auf Empfehlung von Freunden in "HIOB" im Schauspiel Köln. Und ich kann es wirklich empfehlen. Das Schauspielhaus sowieso. Aber nicht, weil das eigentliche, klassische Schauspielhaus in der Innenstadt wohl noch jahrelang eine Baustelle sein wird und noch viele Millionen verschlingen wird - nein - weil die "Übergangs-Spielstätte" im Depot in Köln-Mülheim an der Schanzenstraße so besonders ist. Ehemaliges Fabrikgelände, Industriecharakter, inzwischen haben sich dort viele digitale Firmen und TV-Produktionsstätten usw. angesiedelt (Brainpool usw.). Also ein kreatives, urbanes Viertel. Mit Urban Gardening rund ums Schauspielhaus. Für mich persönlich könnte das Schauspielhaus dort immer bleiben - die Millionen für diese Bauruine in der Innenstadt könnte man sich sparen - aber das ist jetzt meine persönliche Meinung.

Und nun zum Stück: Modern gestaltete Bühne ergibt sich durch den Industriecharakter der Aufführungshalle quasi von selbst - war auc sehr interessant gestaltet. Ein großes Podest, das sich dreht, schwankt - passend zur Handlung. Das Stück war  modern inszeniert - nicht nur Ausstattungstechnisch sondern z.B. auch, in dem manche Gegebenheiten nicht gespielt sondern erzählt wurden (Tod) - was erstaunlicherweise (für mich) gut funktionierte. 

Und trotzdem war das Stück nah am Text - ich habe nachher einiges im Buch nachgelesen - es passte. Ein eindrucksvolles Theatererlebnis. Ohne Pause - daher etwas anstrengend - aber es lohnt sich. 

Und danach empfiehlt es sich, auf einen Drink im Werkshasen vorbei zu schauen. Tagsüber Kantine für die Mitarbeiter, abend Bar/Restaurant für alle. Mit Industriecharme - was sonst.