Lesungen in 2017 - und Winterblättern im Salon Freiraum

Gastland auf der Buchmesse war dieses Jahr Frankreich. Und ich habe einige Bücher über Frankreich gelesen. Denn Frankreich (und besonders Korsika) ist mein Sehnsuchtsland.

Allerdings konnte ich diesmal nicht zu einer Lesung zur Französischen Literatur gehen. Leider. 

Dafür war ich gerne wieder beim "Winterblättern" von Nora Ruland im Kultursalon Freiraum in Köln-Sülz. Nora Ruland führt mit ihrem Mann eine sehr gut sortierte, kleine Buchhandlung in der Gegend und stellt zweimal jährlich Neuerscheinungen mit viel Liebe, Enthusiasmus und Sachkenntnis vor. Vom Kinderbuch über die Graphic Novel bis zum Roman. Man bekommt sehr viel Anregungen, was man lesen oder verschenken soll. Und ich liebe die Art, wie hier über Bücher gesprochen wird. Voller Respekt und Sachkenntnis.

 

Im Januar 2018 wird Norbert Scheuer aus "Am Rande des Universums" im Freiraum vorlesen. Ich freue mich schon. Norbert Scheuer schreibt sehr beeindruckende, niveauvolle Literatur.

Lange Nacht der niederländischen und flämischen Literatur

Gastland auf der Frankfurter Buchmesse waren dieses Jahr die Niederlande und Flandern. Und aus diesem Anlass gab es eine "Lange Nacht" in der Comedia Colonia, veranstaltet vom Literaturhaus Köln. Es wurden insgesamt 6 Schriftsteller und deren Bücher vorgestellt, zwischendurch gab es Musik von An Pierlé. 

Ein sehr gelungener Abend - und sehr lang. Viele sind leider schon in den (kurzen) Pausen gegangen. Aber 19.30 - 23.30 und das am Freitag - das ist schon sportlich.

Es war aber sehr interessant. Und interessanterweise konzentrierte sich alles sehr um das Thema "Das ist, was wir teilen". Eigentlich war dies zunächst lediglich für den gemeinsamen Sprachraum gemeint, den die Flamen und die Niederländer teilen - aber dann wurde das Thema auf Europa ausgeweitet. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir dabei das Gespräch mit Geert Mak, aus dessen Buch "In Europa" gelesen wurde. Ein Abend als Appell an die Pflege der Gemeinsamkeiten in Europa. Sehr gelungen. 

Gekauft habe ich mir natürlich auch ein Buch "Komm her und lass Dich küssen" von Griet op de Beek. Lesung und Interview haben mich hier einfach begeistert - der Titel hätte mich so überhaupt nicht überzeugt.

Gerne würde ich auch noch lesen "Ein Brautkleid aus Warschau". Aber ich will den Stapel ungelesener Bücher nicht noch mehr erhöhen - und so musste es (leider - schnief) bei einem neuen Buch bleiben.

Noch ein Lesetipp: Kris von Steenberge: Verlangen. Ein Buch über ein Zwillingspaar, davon einer so entstellt, dass sein Vater ihm noch nicht einmal einen Namen gibt... 

 

Navid Kermani - Lesung aus "sozusagen Paris"

Navid Kermani ist durch seine vielbeachtete Rede in der Frankfurter Paulskirche sehr bekannt geworden. Aber auch schon vorher war er ein wichtiger deutscher Schriftsteller Er schreibt Romane und Dokumenationen/Sachbücher. Letztere vor allem zum Thema Islam und Religionen und zum Spannungsfeld zwischen Nahost und Europa. Als Deutscher mit Migrationshintergrund (in Siegen geboren, Eltern stammen aus dem Iran) scheint er hier eine gewisse Autorität zu besitzen.

Aber an dem Abend der Lesung (im vollbesetzen Depot im Schauspielhaus) ging es um den neuen Roman. Und es wurde ein sehr vergnüglicher Abend. Auch wenn Kermani anspruchsvollere Literatur schreibt, es scheint gut lesbar zu sein. Vor allem die Schauspielerin, die aus dem Buch vorgelesen hat, hat dies sehr gut und humorvoll gemacht. Und sie hat Lust darauf gemacht, weiter zu lesen.

 Das Buch "sozusagen Paris" spielt nicht in Paris, sondern fast ausschließlich in einem Wohnzimmer, das der Jugendliebe eines Schriftstellers gehört, der einen Roman über ihre Jugendliebe geschrieben hat. Alles klar? Nun, wenn nicht - eine gewisse Verwirrung scheint gewollt zu sein - Kermani spielt sehr geschickt mit verschiedenen Handlungsebenen bzw. es geht um Bücher im Buch. Und als Thema um die Bürgerliche Ehe, um die hohen Erwartungen an eine Liebesheirat, um die schwierigen Bedingungen, eine Liebe in der Ehe zu leben. Was nun aber wieder sehr alltägliche Probleme sind - und was sehr witzig an dem Abend thematisiert wurde..

Ich selbst kannte noch kein Buch von Kermani - hatte aber schon längst vor, einmal eins zu lesen - und jetzt werde ich mit diesem Buch beginnen.

Yvonne Adhiambo Owuor & Taiye Selasi auf der litcologne

Gestern war ich auf einer sehr guten, lebhaften Lesung - mit lauter starken Frauen auf der Bühne. Tayie Selasi, deren Debütroman "Diese Dinge geschehen nicht einfach so" ein Welterfolg wurde, hatte die lit-cologne-Patenschaft für Yvonne Adhiambo Owuor übernommen, einen weiteren aufgehenden Stern am Literaturhimmel. Ihr Debütroman "Der Ort, an dem die Reise endet" (der im Original schlicht "Dust" heißt) wird in Literaturforen schon wärmstens empfohlen. Habe mir das Buch direkt gekauft und signieren lassen. Es scheint keine einfache Lektüre zu werden: Harte Geschichte mit viel Gewalt - aber auch vielen Informationen zur kenianischen Geschichte. Und mit einer wunderbaren, bildgewaltigen Sprache. So zumindest mein erster Eindruck von den Passagen, die gelesen wurde. 

Ansonsten war es schön zu sehen, dass die Frauen sich sehr gut verstanden, es wurde viel gelacht und darüber diskutiert, dass die Romanfiguren doch immer ihr eigenes Leben leben - und die Autoren dies dann niederschreiben. Und es gab sehr viele interessante Beiträge zu Thema Heimat, Heimatland und darüber, wo ein Mensch Zuhause sein kann. Ein sehr aktuelles Thema. Und der schönste Satz dazu: "Home is where the heart feels secure".

 

  • Anna Katharina Hahn

    Die Kulturkirche in Köln-Nippes ist eine sehr schöne, stimmungsvolle Location für Lesungen und Konzerte. Und die Lesung von Anna Katharina Hahn war sehr passend, auch sie beschreibt sehr treffend gesellschaftliche Zustände und Stimmungen. Nach ihren beiden "Stuttgart" Romanen, die im Bildungsbürgertum der Mittelschicht spielen, geht es diesmal zunächst um die Wirtschaftskrise in Spanien, später spielt die Handlung wohl auch in Deutschland. Das Buch scheint sehr gut konstruiert mehrere Geschichten zu verknüpfen. Der Moderator hat sich sehr um die Deutung von Struktur, Methaphern und Bezügen gekümmert - Lust auf Lektüre hat dies m.E. eher wenig gemacht - dies hat dann Anna Katharina Hahn gemacht - sie hat wunderbar gelesen.

  • "Die Strömung" Spannender Krimi aus Schweden

    Cilla und Rolf Börjlind sind Schwedens bekannteste Drehbuchautoren (z.B. Kommissar Beck). Und seit 2012 schreiben Sie auch Bücher. Sehr gut, wie ich finde. Und ich war damals doch sehr skeptisch. Aber dann habe ich das erste Buch der Reihe "Die Springflut" an einem Urlaubstag komplett durchgelesen - und das waren immerhin mehr als 500 Seiten. Und jetzt gibt es den dritten Band der Reihe. Man kann die Bücher sicher einzeln lesen - ich empfehle jedoch, sie in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Denn man erfährt dann die Geschichte der Ermittler. Und diese sind sehr interessante und außergewöhnliche Menschen - denn wir Rolf Börjlind sagte: Sie wollen sich mit ihren Figuren nicht langweilen. Der vierte Band ist in Arbeit. Und wird sicher auch nicht langweilig.
    Den dritten Band musste ich jetzt gestern abend nur "kurz" anlesen - sind dann schon 100 Seiten geworden.
    Ach ja, Peter Lohmeyer hat sehr gut den deutschen Text gelesen. Und Anke Deistler hat sehr gut moderiert, interviewt und sinnvoll zusammengefasst (statt zu übersetzen). Das hat richtig Lust aufs Lesen gemacht.

Warten auf die litcologne

Noch etwas mehr als 2 Wochen - und mein erster Termin bei der diesjährigen litcologne steht an. Am liebsten würde ich ja zu (nun ja fast...) allen Veranstaltungen gehen Aber nach einigen Jahren im Lesungen-Marathon beschränke ich mich inzwischen. Es sind aber dann doch 4 Veranstaltungen geworden.  

Beginnen wird es am 11.03. in der Kulturkirche in Nippes (übrigens mein absoluter litcologne-Veranstaltungsort)  mit Anna Katharina Hahn (ihre Bücher haben mich bisher immer fasziniert). Danach folgt eine Krimilesung (Börjlind), danach Tayie Selasie und dann noch (nach ein paar Tagen Pause) dann Joana Bator&Corinna Harfouch. 

Ich werde berichten!

Feridun Zaimoglu - Siebentürmeviertel

Gestern war ich auf einer Lesung von Feridun Zaimoglu in der Maternus-Buchhandlung in der Kölner Südstadt. Eine sehr schöne Buchhandlung übrigens - mit einer sehr interessanten und gut dargestellten Auswahl. 

Feridun Zaimoglu hat sein neues Buch "Siebentürmeviertel" vorgestellt. Dieses Buch wollte ich schon länger lesen. Das Buch handelt von einem deutschen Jungen, der während der Nazizeit mit seinem Vater aus Deutschland fliehen muss und dann als Pflegesohn einer türkischen Familie im Siebentürmeviertel  im Istanbul aufwächst. Dies war ein wohl eher ärmliches Viertel, das von Menschen mit verschiedenen ethnischen Herkünften bewohnt wurde. So weit ich Zaimoglu verstanden habe, wollte er anhand dieses Buches darstellen, wie jemand als Fremder in einer fremden Welt zurechtkommen muss. Wenn ich Zaimoglu richtig verstanden habe, kommen die Vorfahren seines Vaters aus dem Bereich Armenien-Tscherkessien?-Balkan und sein Vater ist im Siebentürmeviertel aufgewachsen, auch als quasi Fremder. Zaimoglu selbst ist in Deutschland aufgewachsen. Die Idee, einen deutschen Jungen als Exilanten darzustellen, fand ich sehr interessant und ich habe mir das Buch gekauft. Es ist ein sehr umfangreiches Buch, ca. 800 Seiten - und es wird mich wohl eine Weile beschäftigen. 

Zaimoglu selbst hat sehr lyrisch-betont gelesen - was allen Zuhörern gut gefallen hat - außer mir. Mir persönlich war es zu getragen und zu wenig einprägsam. Aber da stand ich mit meiner Meinung ziemlich alleine da. Ich habe es außerdem so empfunden, dass Zaimoglu viele Monologe gehalten hat, statt richtig auf die sehr gut gestellten Fragen des Moderators (der Sortimenter des Buchladens) zu antworten. 

Aber das alles hat dem Vergnügen des Leseabends nicht geschadet und bei Wein und Snacks ließ es sich noch gut über die Lesung plaudern und der Autor hat signiert und sich ausgiebig mit Interessierten über sein Werk unterhalten.